|
1.Wovon Frau Rosa redet: nicht von den gewaltig-gewaltsamen Leistungen der kapitalistischen Produktionsweise und des bürgerlichen Staats, mit denen sich deren Opfer herumzuschlagen haben, also auch nicht von den wirklichen Nöten der Leute, die sie sich besser vom Halse schaffen sollten. Leute, deren Arbeitsleben im Dienst des kapitalistischen Reichtums sie auf einen Lohn festlegt, der sie in Gegensatz zum von ihnen geschaffenen Reichtum setzt, der nur ihre Arbeitsfron dauerhaft reproduziert und ihnen –arbeitslos geworden – noch nicht einmal diese trostlose Existenz gewährt, leiden nun einmal nicht unter soziologischen Phrasen wie Anarchie und Vergesellschaftung. Dass die theoretische Erklärung des Kapitalismus, so wie er geht und steht, auch schon die (einzige) Kritik an dessen Verhältnissen ist und damit die einleuchtenden Gründe liefert und die geistigen Mittel schafft, wie diesem Laden praktisch beizukommen ist und dass die objektive Erklärung dieses Ladens der einzige, aber auch ausreichende agitatorische Hebel ist, Leute zu Kommunisten zu machen, ist nicht Luxemburgs Sache. Für sie braucht es einen der objektiven Erklärung vorausgesetzten moralischen Standpunkt, der überhaupt erst Kritik am Kapitalismus und Agitation gegen dessen Taten ermöglichen können soll (“wissenschaftliche Begründung”). Demenstspreche3nd sieht die Kritik dann auch aus: Kapitalismus zum Niedergang verdammt, aber selbst schon im Übergang zu seiner eigenen Abschaffung begriffen. Dieser der Sache nach lächerliche Stanpunkt ist gar nicht der Auftakt dazu, sich theoretisch zum Kapitalismus zu stellen, indem man dessen Wirken untersucht, sondern erledigt die objektive Kritik: was im Kapitalismus so alles anfällt, taugt nie mehr zu mehr als zum Beleg des standpunktmäßigen Vorurteils: Kapitalismus schlimm, aber Hoffnung nicht ausschließend. Man will den zu Agitierenden dann auch gar nichts Neues mitteilen, das sie von ihrem Mitmachen abbringt, sondern erinnert sie daran, dass sie das doch selbst längst schon genauso sehen wie ihr Agitator – zum Widerspruch, Leute agitieren zu wollen, ohne eine Differenz zu ihnen zu unterstellen, siehe Punkt 5 des anderen Papiers. Den Kommunismus auf einen Standpunkt herunterzubringen, geht in Richtung Denkverbot; den eigenen Standpunkt aller vorhandenen Unzufriedenheit als deren Movens zu unterstellen, um an Milchbauernproteste und ähnliches anknüpfen zu können, erspart sich jede Kritik an den existenten Unmutsäußerungen und verzichtet auf die Klärung, warum diese massenhafte Unzufriedenheit sich im staatsbürgerlichen und systemkonformen Mosern erschöpft. 2.Konsequent immunisiert sich Standpunktdenken dann auch von der Realität und dem, was die Adressaten, die mit diesen Standpunkt belämmert werden, von diesem halten. Kommunismus als Glaubensangelegenheit, der bei den zu Agitierenden auf Zustimmung pocht, ganz unabhängig, ob denen das Glaubensargument der Sache nach einleuchtet oder sie der Sache nach überzeugt. Euer Luxemburgzitat will für uns einnehmen, mit einer Aussage, von der ihr selbst wisst, dass sie dem normalen Menschen nur lächerlich vorkommen muss und keinen Bezug zu dem aufweist, was ihm sonst als Lohnarbeiter und Staatsbürger beschäftigt. Letztlich glaubt ihr doch nicht einmal selbst dem Zitat – dessen vorgebliche Überzeugungskraft beruht bloß auf der zitierten Autorität, deren Name, den außer uns selbst kaum jemand noch kennt, die Glaubwürdigkeit garantieren soll. Lasst so was! 3.Lasst so was schon deswegen, weil diese Sorte Denken das Metier der bürgerlichen Politiker und der gesamten Öffentlichkeit ist und das Denken der Leute bestimmt, die sich als brave Staatsbürger aufführen und solche bleiben wollen. Die Glaubwürdigkeit der gültigen moralischen Standpunkte und Ansprüche in der bürgerlichen Gesellschaft ist im Unterschied zu kommunistischer Kritik allemal überzeugend, weil damit die geltenden Herrschaftsverhältnisse und ihre Maßstäbe bestätigt und legitimiert werden. Wenn wir überhaupt jemanden vom Kommunismus überzeugen wollen, geht das umgekehrt nicht ohne die Kritik an dem durchgesetzten affirmativen Standpunktdenken, das zu nichts anderem taugt, als sich in den Zumutungen, die das Leben im Kapitalismus so mit sich bringt, unterordnend einzufügen. Und diese Stellung soll dazu geeignet sein, Leute von ihrem Mitmachen abzubringen? Also weg mit dem Zitat. Brauchen wir überhaupt ein Motto – getrennt von dem, was wir zu sagen haben? |