„Am Schaffen ist noch keiner gestorben. Daß sie einen aus der Fabrik tragen, weil er zuviel gearbeitet hat, das habe ich noch nicht erlebt.“

Werner Niefer,  Vorstandsvorsitzender Mercedes Benz AG 1989-93

Katastrophe von Fukushima: die ersten unabhängigen Messungen der Radioaktität sind alarmierend. Drucken E-Mail
von Stefan Brandhuber am 14. März 2011

Übersetzung eines Artikels der französischen website sortirdunucléaire.fr vom 13.3.11:

Das Netz „Sortir du nucléaire“ („Raus aus der Atomenergie“) gibt den Bericht wieder, wonach sich sechs unabhängige Journalisten der Vereinigung JVJA (Japan Visual Journalist Association), darunter der Direktor des Magazins Days Japan, Ryuichi Hirokawa, am Sonntag des 13. März um 10 Uhr 20 in die Nähe des Rathauses von Futaba begeben haben, keine 2 km von Fukushima Daiichi entfernt, um die Radioaktivität mit drei Geiger-Zählern zu messen. Es handelt sich unseres Wissens um die erste unabhängige Messung durch japanische Journalisten, denen wir für ihren Mut danken, daß sie ihren Beruf ernst und diese Risiken auf sich genommen haben.

Beim Rathaus von Futaba, zwei Kilometer vom Kraftwerk Fukushima Daiichi entfernt, überschritt die Radioaktivität den Meßbereich bestimmter Geigerzähler, welche die Journalisten benutzt haben. (BEIGER COUNTR, VICTOREEN 209-SI, und MYRate PRD-10)
Mit Hilfe eines Zählers VICTOREEN 209-SI konnte die Strahlendosis mit 100 Milli-Röntgen/ Stunde bestimmt werden (das sind 0,1 mSv/h, was bedeutet, daß ein japanischer Bürger innerhalb von 10 Stunden diejenige Dosis abbekommt, welche in Frankreich für ein Jahr erlaubt ist.) Der Journalist, Ryuichi Hirokawa, der die Messung durchgeführt hat, erläutert: „Als ich Ende Februar in Tschernobyl eine Reportage machte, betrug die Radioaktität 200 Meter vom Unfallreaktor entfernt 4 Milliröntgen/h (0,04 mSv/h). In der Stadt Pripjat 4 Kilometer vom Reaktor weg, lag das Niveau bei 0,4 Milliröngten.“

Die mit den beiden anderen Apparaten gemachten Messungen schwankten in einer Bandbreite von 20 bis 1000 Mikro-Sievert die Stunde (0,02 bis 1 mSv/h). Was heißt das? 1 mSv repräsentiert das obere Niveau der in Frankreich erlaubten Strahlung, der die Bevölkerung durch künstliche radioaktive Strahlung ausgesetzt werden darf. In nur einer Stunde erhält der japanische Bürger diese Dosis.
Aus diesen Informationen, die ein dramatisch erhöhtes Niveau an Radioaktivität in der Umgebung des Reaktors bestätigen, können wir nur schließen, daß die gesundheitlichen Folgen schwerwiegend sein werden.
Erinnern wir uns, daß die Radioaktivität diesen Morgen 400- fach über dem normalen Niveau der Präfektur von Miyagi lag, die in einer Entfernung von 80 km zum Atomkraftwerk Fukushima Daiishi liegt.

Die japanischen Behörden sind dabei, jegliche Kontrolle über die Situation zu verlieren. Das Netz „Sortir du nucleaire“ warnt die Bürger: die japanische Regierung versucht so viel wie nur möglich den Ernst der sich entwickelnden Katastrophe und der Belastung der Umwelt mit Radioaktivität herunterzuspielen. Mit der Regierungskonferenz vom Samstag des 12. März und dem Versuch der Desinformation des französischen Industrieministers Eric Besson, hat sich die Maschine der Informationsunterdrückung bereits in Bewegung gesetzt, auch in Frankreich.
Die japanische Atomkatastrophe wird zeigen, ob es noch mehr an Bedrohlichkeit und Gefahren bedarf, welche die Atomenergie den Bevölkerungen aussetzt. Die einzig politisch verantwortliche Lösung für Japan wie für die gesamte Welt kann nur lauten: Ausstieg aus der Atomenergie.

Aus dem Französischen von Stefan Junker

 
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