| Schule |
| Will Bayerns SPD die Gemeinschaftsschule? |
| von Hans Elas am 30. September 2010 |
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„Die bayerische SPD hat bei einem kleinen Parteitag am Samstag in Bayreuth gefordert, alle bayerischen Schüler künftig bis zur zehnten Jahrgangsstufe an einer Gemeinschaftsschule zu unterrichten.“ Die Meldung der Süddeutschen Zeitung ist vom 10.Mai dieses Jahres. Sie hat alle überrascht, die die bayerische Bildungspolitik genauer verfolgen. Überrascht deshalb, weil die SPD bisher zwar einer Verlängerung der gemeinsamen Schulzeit das Wort geredet hat, diese Verlängerung aber nur auf sechs Jahre verstanden wissen wollte. Nunmehr also soll diese SPD den „radikalen Umbau des Schulsystems“(SZ) fordern? Das wär wirklich ein gewaltiger Schritt für eine Partei, die mit ihrem Platz in der Parteienlandschaft grundsätzlich zufrieden ist, wenngleich sie mit den Ergebnissen der letzten Wahlen nicht glücklich sein kann. Was nun die SPD genau beschlossen hat, ist nicht so leicht zu erfahren. Auf der Homepage ist der Antrag, nicht aber der Beschluss zu finden. Erst auf schriftliche Nachfrage klärte sich, was unter einer sozialdemokratischen Gemeinschaftsschule tatsächlich zu verstehen ist: Ein alter Hut! Hans-Ulrich Pfaffmann, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Bildung , Jugend und Sport interpretierte den Beschluss so, dass „die Gemeinschaftsschule unserem Beschluss zufolge eine Regelschule werden soll in Ergänzung zu den bestehenden Regelschulen wie Haupt-, Mittel-, Realschulen und Gymnasien.“ Im Klartext heißt das: Es bleibt alles beim Alten, wird aber noch komplizierter, weil zum Wirrwarr der vorhandenen Schularten eine weitere dazukommen soll. Genau daran ist vor einigen Jahrzehnten die Gesamtschulbewegung gescheitert. Ein halbherziger Umbau der Schulstruktur ist kein Schritt vorwärts. Er ist vielmehr ein Schritt in die falsche Richtung. Pfaffmann scheint aber vom sozialdemokratischen Weg zur Gemeinschaftsschule viel zu halten, wenn er ihn so begründet:“Allerdings sind wir überzeugt davon, dass die Gemeinschaftsschule mittel- und langfristig aufgrund von Angebot und Qualität andere Schularten nach und nach ablösen wird, sprich dass aufgrund der „Abstimmung mit den Füßen“ die Gemeinschaftsschule tatsächlich zur Regel wird, aber nicht per Dekret oder Gesetz.“ Wo lebt Herr Paffmann eigentlich? Die Einführung der „Eine(n) Schule für alle Kinder“ ist ein gesellschaftlicher Kraftakt, der nicht über die Hintertür realisiert werden kann. Wer das Gymnasium und damit das Bildungsprivileg nicht antasten will, sollte nicht von Gemeinschaftsschule reden. Die Misere eines gegliederten Klassenschulwesens würde also auch unter sozialdemokratischem Vorzeichen weiter Bestand haben. Wen wunderts! |
