| Schule |
| Warum nicht gute Bedingungen für alle? |
| von hans st. am 20. Juli 2010 |
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Thomas Daller schreibt in der Landkreisausgabe der SZ vom 20.7.10: „Sie kamen als Schulverweigerer mit schlechten Noten, jetzt haben sie einen Abschluss und gehen in die Lehre: Die Ganztagsintensivklasse, die der Landkreis als „letzte Chance“ für problematische Fälle seit 2008 anbietet, hat sich bewährt. Im ersten Jahr haben alle Schüler das Ziel Schulabschluss und Berufseinstieg erreicht, auch heuer zeichnet sich ein 100-prozentiger Erfolg ab. Vor mehr als zwei Jahren nahmen sich Schulamt und Landkreis jener Schüler an, die in der Regelschule als „hoffnungslose Fälle“ galten: Notorische Schulschwänzer und andere Jugendliche, die aus welchen Gründen auch immer, die geforderte Leistung verweigerten.“ Es geht also doch. Jahrzehnte erzählte man landauf landab die Mär von den Jugendlichen, bei denen Hopfen und Malz verloren sei. Jugendliche, bei denen der Weg ins Verderben, also in den Knast vorprogrammiert sei. Und nichts könne man dagegen tun. Diese Klientel zeigte schon in der Grundschule erste Anzeichen der Renitenz. Der Weg in die Hauptschule war vorgezeichnet. Manche Lehrkräfte waren über die Existenz dieser Kinder nicht ganz unglücklich, schließlich entschärften sie die Übertrittsstatistik. Allerdings trugen sie später übermäßig zum negativen Image der Hauptschule bei, was die glühenden Verfechter des gegliederten Schulwesens letztlich in einigen Landkreisen veranlasste, diese Schüler (in der Regel männliche) aus den Regelklassen rauszunehmen und separat zu beschulen. Und siehe da, kleine Klassen, intensive Betreuung und entsprechende Zuwendung und es funktioniert! Es funktioniert unter Bedingungen, von denen man nicht erst seit zwei Jahren weiß. Also alles in Ordnung? Dürfen uns im Landkreis Erding über diese Erfolgsgeschichte freuen? Warum nicht! Bevor aber die Freude überschwänglich wird, sind doch ein paar Fragen zum Nachdenken angebracht: Was passiert mit der viel größeren Zahl von Schülerinnen und Schülern, die in ihrer Schulform nicht zurecht kommen, die öfter scheitern, die den Stress nicht aushalten, die deswegen erkranken und die vielleicht auch die Bedingungen bräuchten, die das Wartenberger Modell so erfolgreich sein lässt? Warum müssen Kinder und Jugendliche erst extrem schwierig und demotiviert werden, bevor man sie dann wieder mit erheblichem Einsatz und entsprechenden Kosten aufpäppelt? Warum wehren sich Eltern und Lehrkräfte nicht massiver gegen ein Schulsystem, das zwar einer Minderheit in unserer Gesellschaft Vorteile verschaffen mag, auch sehr zur Freude von Nachhilfeinstituten, der Mehrheit jedoch mehr Probleme als Nutzen bringt? |
