Schule
Erdinger Kinder dümmer als andere?
von hans st, am 18. Juli 2010

„Sind Kinder, die nördlich von München geboren werden, von Haus aus dümmer als die, die im Süden der Hauptstadt zur Welt kommen? Natürlich ist das eine dumme Frage. Und doch berechtigt, wenn man die Übertrittszahlen von der Grundschule aufs Gymnasium vergleicht, die zwischen Dachau und Starnberg extrem schwanken. Und noch viel mehr zwischen dem Münchner Stadtteil Bogenhausen und dem Hasenbergl. In Starnberg und Bogenhausen wechseln ganze Jahrgänge von der Grundschule aufs Gymnasium – und eines ist sicher: Es ist nicht die gute Luft des Starnberger Sees und des Herzogparks, die das Denkvermögen der Kinder dort so sehr befördert. Auch die hohen Grundstückspreise in diesen Vierteln treiben den Intelligenzquotienten der Kinder nicht derart in die Höhe, dass sie sehr viel öfter an weiterführende Schulen gehen als die Kinder in Freising, Dachau und Neufahrn.“

So weit aus einem Kommentar der SZ-Journalistin Annette Ramelsberger vom 26.Juni, die diesen Sachverhalt als Ergebnis einer „zynische(n) Schulpolitik“ wertet.

Nicht erwähnt hat die Journalistin  den Landkreis Erding, der in der Tabelle an vorletzter Stelle steht und mit 37 Prozent auf etwa die Hälfte der Übertrittsquote von Starnberg (72%) kommt. Man nennt das seit jeher Stadt-Land-Gefälle. Es ist eines der entscheidenden Stützen des gegliederten Schulsystems seit der Einführung der Schulpflicht um 1800. Eine weitere – noch wichtigere Stütze – des bewährten bayerischen Schulsystems ist die soziale Auslesefunktion. Dazu äußerte sich die Münchner Stadtschulrätin Weiß-Söllner: „Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Übertrittsquote aufs Gymnasium und den drei Faktoren Einkommenssituation der Eltern, Bildungsaffinität der Eltern und Anzahl der Schüler mit Migrationshintergrund.“ (SZ, 26.6.1)

 

Das alles ist aber keine neue Erkenntnis. Überraschend ist nur die Geduld, mit der eine Schulpolitik ertragen wird, die den Interessen einer Mehrheit der Bevölkerung eklatant widerspricht und Kinder in Schulformen hineinzwingt, die längst überholt sind. Und das vor allem um das Bildungsprivileg des Gymnasiums unter allen Umständen zu erhalten.

Zuschriften zu dieser Problematik sind dringend erwünscht!

 

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